Die Family Five ist wieder da!

Der erste Schultag beginnt schon zu Hause turbulent.

Kawumm! Ich schrecke hoch, schlage die Decke zurück und tapse barfuß aus meinem Zimmer.
„He, pass auf! Ich hab’s eilig.“ Meine ältere Schwester Cici, die offenbar gerade ihre Zimmertür zugeknallt hat, zwängt sich an mir vorbei. Kurz darauf fällt die Eingangstür ins Schloss.
Kawumm!
Verschlafen reibe ich mir die Augen und gehe ebenfalls nach unten. In der Küche herrscht Chaos. Meine kleine Schwester Iris hüpft mit der Schultasche auf dem Rücken ungeduldig von einem Bein aufs andere, während meine Mutter – in Polizeiuniform – versucht, Iris’ Haare zu kämmen.

Die Geschichte zum Anhören

Hier kannst du dir die 1. Folge der Serie „Family Five“ auch anhören:

„Mama, ich komme noch zu spät!“, beschwert sich meine Schwester.
Verwundert schaue ich auf meine Armbanduhr. „Warum macht ihr alle so Stress? Es ist erst kurz nach halb sieben.“
Die beiden starren mich an. Iris kichert: „Gehst du heute im Star-Wars-Pyjama zur Schule? Dann gibt’s in der ersten Ausgabe der Schülerzeitung sicher ein Foto von dir.“
„Lenny!“ Die Stimme meiner Mutter überschlägt sich. „Ich habe dreimal nach dir gerufen. Du solltest genau jetzt zur Schule aufbrechen!“
Verwundert schaue ich zur Küchenuhr. Erst jetzt fällt mir auf, dass sich die Zeiger meiner Armbanduhr nicht mehr bewegen.
Sie ist stehen geblieben! Und das am ersten Schultag nach den Ferien!
Ich rase die Stiegen nach oben, reiße ein T-Shirt und Jeans aus meinem Kasten und renne ins Badezimmer. Verzweifelt versuche ich meine Haare in Form zu bekommen, während ich mir die Zähne putze.
Mit einer Hand verteile einen Klecks Gel auf meinen Haaren. Aber das klappt nicht.
Ich halte die Zahnbürste mit den Zähnen fest und streiche mir mit beiden Händen durchs Haar. Es wird nicht besser!
Im Spiegel sehe ich, wie Zahnpasta aus meinem Mundwinkel tropft und auf meinem schwarzen T-Shirt landet. Auch das noch!
Ich sprinte zurück in mein Zimmer und schnappe mir das T-Shirt vom Vortag, das auf dem Boden liegt. Was soll’s, die paar Knitterfalten werden niemandem auffallen.
Als ich in die Küche komme, sehe ich gerade noch, wie meine Mutter die knallbunte Jausenbox mit den Clowns in meinen Schulrucksack packt.
„Mama! Das ist meine alte Kindergartenbox!“, protestiere ich.
Doch meine Mutter lässt mich nicht ausreden. „Du musst irgendetwas essen und wir haben keine andere Box mehr. Los, los. Iris ist schon weg und mein Kollege kann mich jeden Moment abholen.“
Sie folgt mir ins Vorzimmer.
Während ich in meine Sneakers schlüpfe und meine Haargel-Chaos-Frisur unter einer Kappe verstecke, sagt sie: „Dein Vater hat vorhin angerufen. Er wollte wissen, ob du die Fundstücke brauchst, die du nach der Ausgrabung im Sommer behalten durftest.“
Was für eine Frage! Natürlich! Den ganzen Sommer habe ich davon geträumt, wie meine Freunde reagieren werden, wenn ich ihnen meine Funde zeige.
„Danke, die hatte ich ganz vergessen. Wo sind sie?“ Ich mache einen Schritt zurück in Richtung Wohnzimmer. Doch meine Mutter hält mich zurück. „Du hast sie bei deinem Vater liegen lassen.“
Ich werfe einen Blick zur Küchenuhr. In 15 Minuten klingelt die Schulglocke zur ersten Stunde. Das wird selbst im Laufschritt knapp.
Egal, ich brauche den Beutel mit meinen Schätzen!
„Ist Papa gerade zu Hause?“
„Ich glaube ja. Aber das geht sich vor der Schule nicht mehr aus, Lenny!“, ruft meine Mutter. Doch ich bin schon losgelaufen.
Seit mein Vater im Sommer ausgezogen ist, habe ich zwei Kinderzimmer. Mein richtiges hier in dem Haus, in dem ich mit Mama und meinen Schwestern wohne, und ein winzig kleines in Papas neuer Wohnung. Seitdem suche ich ständig etwas, weil alle meine Sachen jetzt auf zwei Zimmer verteilt sind. Zum Glück wohnt Papa nur zwei Blocks von uns entfernt.
Atemlos erreiche ich sein Wohnhaus und drücke den Klingelknopf. Überrascht schaut mein Vater aus dem Fenster im ersten Stock. „Lenny? Solltest du nicht schon in der Schule sein?“
„Ich – brauche – Beutel – Ausgrabungsdings – Schule – dringend“, stoße ich keuchend hervor.
Mein Vater scheint zu verstehen, denn kurz darauf steht er in knallgelber Jogginghose vor mir und streckt mir den Beutel mit meinen Fundstücken entgegen. „Zu Fuß schaffst du es nicht mehr rechtzeitig. Komm, ich bring dich mit meinem Lastenrad zur Schule. Du kannst dich vorne in die Wanne setzen.“
In diesem Moment hupt jemand hinter uns. Mama im Polizeiauto! Sie lehnt sich aus dem Fenster auf der Beifahrerseite. „Hallo, Georg“, begrüßt sie meinen Vater, „Lenny, spring rein. Wir lassen dich bei der Schule aussteigen.“
Ich starre abwechselnd meine Mutter und meinen Vater an. Na toll, der erste Schultag und ich habe die Wahl, mit einem Lastenfahrrad oder in einem Polizeiauto vorzufahren. Das fängt ja gut an.
Ach ja! Ich bin Lenny! Willkommen in meinem chaotischen Leben!

 

Über die Autorin

Christine Auer ist eine österreichische Kinder- und Jugendbuchautorin. Sie liebt Apfelkuchen, das Knistern von Buchseiten und Geschichten und schreibt exklusiv für SPACE die Fortsetzungs-Kurzgeschichten mit der „Family Five“.


LeseStar-Aufgabe

Lennys erster Schultag nach den Ferien beginnt im völligen Chaos – eine stehen gebliebene Uhr, hektische Familienmitglieder und ein vergessener Schatz bringen alles durcheinander. Beantworte nach dem Lesen des Artikels oben folgende Fragen:
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